Unterstützerkreis Kurlbaumstraße

„Heinrich-Kurlbaum-Weg“

Seit Herbst 1998 wurde von verschiedenen Mindener Organisationen/Initiativen die Forderung erhoben, einen Straßenzug in der Nähe der Simeonskaserne nach dem am 15. Mai 1944 hingerichteten Kriegsdienstverweigerer Heinrich Kurlbaum aus Oberlübbe zu benennen.

Die Verantwortlichen der Stadt Minden hatten dieses Anliegen bisher mit wechselnden Begründungen abgeblockt und damit ihre ablehnende Haltung gegenüber Kriegsdienstverweigerern bzw. gesellschaftlichen Minderheiten zum Ausdruck gebracht.

Auf diesen Internetseiten sind die Aktionen und Initiativen Mindener BürgerInnen aufgezeigt.

Mit dem Beschluss auf der Bauausschuss-Sitzung am 3. November 2004 ist endlich die Entscheidung gefällt worden: ein neuer Fußweg auf dem Simeonsplatz wird nach dem Kriegsdienstverweigerer Heinrich Kurlbaum von den Zeugen Jehovas benannt!

Bei dem “Heinrich-Kurlbaum-Weg” handelt es sich um die Zuwegung zu den Si-Betrieben / zum Ständerhaus auf dem Simeonsplatz. Da es sich um einen Weg handelt, der fuß- und radläufig genutzt und für den KFZ-Verkehr nicht freigegeben werden soll, wurde von Verwaltungsseite vorgeschlagen, den Weg nicht in Heinrich-Kurlbaum-Straße, sondern in Heinrich-Kurlbaum-Weg zu benennen. Mit 6 Ja- und 3 Nein-Stimmen hat der Ausschuss diese Namensnennung beschlossen.

 

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Enthüllung des Straßenschildes am 9. April 2005

(Fotos: Norbert Reinsch / Ralf Schönwald)

Sechs Jahre, 5 Monate und 4 Tage nach der Antragstellung durch den Internationalen Versöhnungsbund - Deutscher Zweig, Gruppe Minden, wurde am Samstag, dem 9. April 2005 am Heinrich-Kurlbaum-Weg das Wegeschild mit der Zusatzinformation zu Heinrich Kurlbaum enthüllt.

Enthüllung des Straßenschildes (v.l.): Bernd Brüntrup vom Unterstützerkreis, Rainer Dohn - ein Enkel Kurlbaums aus Bochum, Lina Geratz - Schwester des Hingerichteten, Ralf Schönwald - Zeugen Jehovas

 

Aus der MT-Berichterstattung / Von Christine Potter

Für religiöse Überzeugung gestorben
Straßenschild am Simeonsplatz erinnert an Heinrich Kurlbaum / Dienst an der Waffe verweigert

Minden (mt). "Es war ein langer Weg für einen recht kurzen Weg". Diese Aussage traf Bernd Brüntrup, Sprecher der Unterstützerinitiative "Heinrich Kurlbaum-Straße" bei der Enthüllung eines seit sechs Jahren, sechs Monaten und fünf Tagen geforderten Straßenschildes, das nun den Namen des hingerichteten Mindener Pioniers Heinrich Kurlbaum trägt.

200 Meter Fußweg am Simeonsplatz entlang der Bastau erinnern an den jungen Soldaten, der aus religiösen Gründen 1944 den Dienst an der Waffe verweigerte. Heinrich Kurlbaum wurde von Richtern der Wehrmacht in Frankreich zum Tode verurteilt und hingerichtet. Er hinterließ eine Frau und vier Kinder (das MT berichtete mehrfach).

Als überzeugter Zeuge Jehovas hielt er immer an seinem Glauben fest, obwohl die Anhänger der Religionsgemeinschaft während des Nazi-Regimes von unterschiedlichen Verfolgungsmaßnahmen betroffen waren. 1943 wurde der junge Familienvater zum Bau -Ersatz-Bataillon 6 in Minden einberufen, verweigerte seinen Kriegsdienst und saß zunächst in Berlin in Haft. Um damals einer drohenden Hinrichtung zu entgehen, nahm er an der soldatischen Grundausbildung in der Simeonskaserne Minden teil. Ein Jahr später wurde er an die Ostfront versetzt und erklärte, nicht mit der Waffe kämpfen zu wollen, was sein Todesurteil zur Folge hatte. Er wurde aus Russland nach Frankreich gebracht und dort exekutiert.

1998 griff Ehrhardt Wichmann, Vorsitzender des Versöhnungsbundes Minden, das Schicksal des Heinrich Kurlbaum auf. Erste Anträge an die Stadt Minden wurden gestellt, die ehemalige "Alte Hausberger Torstraße" zwischen Klinikum und Gesundheitsamt nach Kurlbaum zu benennen. Ein Unterstützerkreis bildete sich, der zusammen mit dem Versöhnungsbund seit 1999 mit der Stadt Minden in Sachen Kurlbaum "kämpfte".

Am vergangenen Samstag war es endlich soweit: Rainer Dohn, ein Enkel Kurlbaums aus Bochum, konnte im Beisein von Lina Geratz, Schwester des Hingerichteten, das Straßenschild enthüllen. "Heute ist ein guter Tag für die Mindener Zivilgesellschaft", freute sich Ehrhardt Wichmann über den errungenen Sieg über die Stadt Minden.

Die Straßenbenennung sei nun eine späte Wiedergutmachung auch für die Angehörigen. Ralf Schönewald von den Zeugen Jehovas dazu: "Heinrich Kurlbaum hat für seine religiöse Überzeugung sogar den Tod in Kauf genommen."

Bernd Brüntrup vom Unterstützerkreis, der sich nach der Straßenschildenthüllung übrigens auflöste ("wir haben unser Ziel erreicht!"), richtete an anwesende Kommunalpolitiker die Forderung, zukünftig keine Straßen nach militärischen Einrichtungen zu benennen, sondern nach Menschen, die pazifistisch gehandelt haben.

Achtung: Artikel, Fotos und sonstige Informationen aus dem MINDENER TAGEBLATT / MT-ONLINE sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Einwilligung der Chefredaktion verwandt werden.

 

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Als Druckfassung erschienen im Januar 2005:

DOKUMENTATION
Benennung einer Straße nach dem
Kriegsdienstverweigerer Heinrich Kurlbaum

PDF-Download

Anträge, Aktionen und Antworten der Stadt zwischen 1998 - 2004

Preis: 5 Euro / erhältlich im Bücherwurm

Aktualisierte Dokumentation (Stand: 14.05.05) im PDF-Format [ca. 2,1 MB]: hk-doku3.pdf
Dokumentation (Stand: 24.01.05 / entspricht Druckfassung) [ca. 1,85 MB]:
hk-doku!.pdf

Weitere Informationen auf der Unterseite “Dokumente zu Heinrich Kurlbaum”:
Todesurteil wegen Wehrkraftzersetzung / Abschiedsbrief an die Familie
hier anwählen:
Kurlbaumdokumente

 

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RÜCKBLICK

Anträge und Aktionen 1998 - 2005

 

Vortrag von Dr. Hans Hesse am 30.01.05

"Es ist mir unmöglich, auf einen Menschen zu schießen"
Kriegsdienstverweigerung im Nationalsozialismus

Am vergangenen Sonntag lauschten 85 interessierte Zuhörer den Ausführungen von Dr. Hans Hesse zum obigen Thema im Mediensaal des Preußen-Museums. Die Veranstaltung, die vom Unterstützerkreis Heinrich-Kurlbaum-Straße, dem Versöhnungsbund und den Zeugen Jehovas organisiert wurde, bildete einen passenden Rahmen für den Abschluss der jahrelangen Bemühungen zur Benennung eines Weges nach Heinrich Kurlbaum. Unter den Anwesenden war auch die Schwester von Heinrich Kurlbaum sowie zahlreiche seiner Enkelkinder. Aufgrund der kalten Witterung hat sich die Aufstellung des Straßenschildes für den Heinrich-Kurlbaum-Weg bislang verzögert.

In seinen Ausführungen skizzierte Dr. Hesse die Geschichte der allgemeinen Wehrpflicht, die im Jahre 1935 von Adolf Hitler eingeführt wurde. Seine einleitende Frage lautete: „Ist Kriegsdienstverweigerung mit Widerstand gleichzusetzen?“ Eine Verweigerung aus Gewissensgründen war lange Zeit nicht vorgesehen. Vor dem 2. Weltkrieg mussten Kriegsdienstverweigerer mit Gefängnisstrafen bis zu 2 Jahren rechnen, die Anklage lautete hierbei „Fahnenflucht und Gehorsamsverweigerung“. Mit Beginn des Krieges wurde die Anklage in „Zersetzung der Wehrkraft“ umgewandelt, was die Todesstrafe nach sich zog. Dabei wurde der Täterkreis auch auf Zivilpersonen ausgedehnt, die ebenfalls mit der Hinrichtung rechnen mussten, wenn sie z.B. einen Kriegsdienstverweigerer versteckten oder versorgten. Hier wies Dr. Hesse u.a. auch auf das Schicksal von Emmy Zehden aus Lübbecke hin, die deshalb in Berlin hingerichtet wurde.

Dr. Hesse berichtete, dass über 300 Zeugen Jehovas wegen Verweigerung des Kriegsdienstes hingerichtet wurden. Einer von diesen war Heinrich Kurlbaum.

Die Väter des Grundgesetzes erinnerten sich an seines und die vielen anderen Schicksale , als sie den Artikel 4 des Grundgesetzes einsetzten, der besagt, dass niemand gegen sein Gewissen zum Dienst mit der Waffe gezwungen werden darf. Interessanterweise gelten erst seit dem Jahre 2002 die Kriegsdienstverweigerungsfälle mit Todesfolge als NS-Verfolgungsfall. Die Frage lautet: Warum wissen wir so wenig über Kriegsdienstverweigerer? Dr. Hesse: „Weil sie nicht als Verfolgte galten“. Dr. Hesse schloss seine Ausführungen mit den Worten: „Der Artikel 4 des Grundgesetzes ist das größte Denkmal für all die Kriegsdienstverweigerer, die ihr Leben dafür ließen.“

Am Ende der Veranstaltung wurde dem Preußen-Museum das selbstgebasteltete Schild "Kurlbaumstraße", das bei einer Aktion des Unterstützerkreises im Juli 2002 (das MT berichtete) zum Einsatz kam, übergeben. Es gibt seitens des Museums die Absicht, im Rahmen einer Sonderausstellung zur Geschichte des Simeonsplatzes auch das Schicksal von Heinrich Kurlbaum darzustellen. Das Schild ist ein erstes Exponat.

Das Foto zeigt die Angehörigen von Heinrich Kurlbaum (Schwester und Enkelkinder) mit dem selbst gebastelten Schild (Foto: Ralf Schönwald)

 

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Eindrucksvolle Demonstration am 29.06.04 vor dem Preußen-Museum

Das Anliegen: Eine Botschaft an Organisatoren und BesucherInnen „Der Widerstand war vielfältig und auch lokal“ anlässlich der Veranstaltungsreihe und Ausstellung „Aufstand des Gewissens“.

 

Weitere Informationen zum Thema im MINDENER TAGEBLATT / MT-ONLINE

Als das Gewissen zum Aufstand rief - Ausstellung im Preußen-Museum über militärischen Widerstand im Dritten Reich öffnet morgen
26.06.2004 von Serhat Ünaldi
http://www.mt-online.de/minden/t00137864.htm

Widerstand gab es auch hier in Minden - Heute Demonstration des Friedensplenums
29.06.2004 Minden (mt)
www.mt-online.de/minden/t00137939.htm

 

Die Straßenbenennung nach Heinrich Kurlbaum bleibt weiterhin aktuell ...

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Aus dem Flugblatt vom „Mindener Friedensplenum“

Wenn in Deutschland vom Widerstand gegen die Nazis die Rede ist, werden meistens die Namen hochrangiger Offiziere genannt, die am 20. Juli 1944 das Hitlerattentat durchführten. Tatsächlich begann der Widerstand, wenn auch nur von wenigen mitgetragen , von ziviler Seite unmittelbar nach dem 30. Januar 1933 und dauerte bis 1945 an. Mit dem Folgenden wollen wir auf den örtlichen Widerstand von unten während des Krieges aufmerksam machen.

Anno 2000 wurde im Anschluss an die offizielle Feier für Stauffenberg und seine Mitverschwörer erstmalig im Bendlerblock an Deserteure und Kriegsdienstverweigerer erinnert. Im „Mindener Friedensplenum“ vertretene Organisationen / Initiativen haben in der Vergangenheit (Denk-Mal für Deserteure, Kurlbaumstraße) und in der Planunqsphase von „Aufstand und Gewissen“ mehrfach die Vielfalt beim lokalen Widerstand thematisiert. Für die Veranstaltungen zur 60jährigen Wiederkehr des 20. Juli leider vergeblich. Ein Mitveranstalter, die „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ scheint Deserteure und Kriegsdienstverweigerer zu fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Es ist das moralische Verdienst der Offiziere des 20. Juli, den Militärputsch gegen das NS-Regime gewagt zu haben. Trotz ihres Scheiterns hat diese Aktion dem Ansehen Deutschlands in der Welt genutzt und im Innern zum Nachdenken bzw. Widerspruch ermutigt. Der 20. Juli wäre möglicherweise erfolgreicher verlaufen, wenn Stauffenberg und seine Mitverschwörer nicht nur Ihresgleichen ein Recht auf Ungehorsam gegen das Naziregime zugebilligt und den Widerstand kleiner Leute einbezogen hätten.

Deswegen zeigen wir heute vor dem Preußen-Museum am Beispiel von 62 Menschen, dass Widerstand im Zweiten Weltkrieg vielfältig und auch lokal war. Für den Altkreis Minden konnten bisher dreißig Verfahren wegen Fahnenflucht dokumentiert werden, sechzehn Mal ist die Wehrmachtjustiz/ Polizei gegen Soldaten am/vom Standort nachweislich wegen „Unerlaubter Entfernung“ tätig geworden, und es sind bisher sechzehn weitere Fälle bekannt, in denen Feldgerichte, Volksgerichtshof und Sondergerichte wegen „Wehrkraftzersetzung“ ermittelten. In vier Fällen sind für diese Straftatbestände vollstreckte Todesurteile nachweisbar.

Gegen den ab 1943 anwachsenden Widerstand von unten wird teilweise abfällig ins Feld geführt, solche Leute hätten doch nur ihr eigenes Leben retten wollen. Dieses Argument ist nicht stichhaltig:
Der Mindener Arbeiter Paul Flechsig wurde wegen seiner Äußerung „Der Krieg ist verloren, Hitler kann auch nichts mehr machen“ 1944 unter das Fallbeil gezerrt. Flechsigs Wortebringen das Gleiche zum Ausdruck, was die Verschwörer vom 20. Juli bewegt hat. Der Unterschied war nur: Flechsig diskutierte privat mit Kollegen der Firma Lehzen in Minden und ist denunziert worden. Die Offiziere handelten organisiert. Der wegen Fahnenflucht zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilte Mindener Sinto Fritz M. war 1941 nicht mehr an die Front zurückgekehrt, weil er nicht für ein Regime kämpfen wollte, das seine Familie rassisch verfolgte. Heinrich Kurlbaum und seine Glaubensbrüder wollten auch nicht ihr Leben retten, sondern hatten sich als Zeugen Jehova aus religiösen Gründen geweigert, zur Waffe zu greifen.

Aber auch die meisten Soldaten, die gegen Kriegsende nicht mehr sinnlos sterben wollten, behinderten den Krieg der Nazis gegen das eigene Volk. Am 20. Juli war vergeblich versucht worden, der vom Regime zuletzt befohlenen Selbstzerstörung Deutschlands Einhalt zu gebieten. In den knapp zehn Monaten. die der Krieg nach dem 20. Juli 1944 noch andauerte, hat es auf deutscher Seite mehr Tote gegeben, als während der fünf Kriegsjahre vorher. Der Grund für diese furchtbare Bilanz war die aussichtslose militärische Lage an allen deutschen Fronten, die bereits von den Offizieren des 20. Juli diagnostiziert wurde.

Während sich die Propaganda des Regimes, gestützt auf willfährige Befehle der meisten Wehrmachtsgeneräle, zwischen Endsiegbeschwörung und Untergangspathos bewegte, setzten im letzten Kriegsjahr hunderttausende Soldaten der befohlenen Selbstvernichtung ihren Überlebenswillen entgegen. Diese Soldaten leisteten keinen organisierten Widerstand und nahmen keine eindeutige Haltung gegen das Regime oder gegen den Krieg ein. Dennoch halfen sie den Massenmord abkürzen, wenn sie sich im günstigen Augenblick in die Büsche schlugen, oder wahnwitzigen „Nerobefehlen“ offen oder versteckt den Gehorsam verweigerten.

Überdies ist zu bezweifeln, ob derjenige Soldat, der weiter blind gehorcht hat, mehr Courage besaß: Die Nazis und ihre willigen Juristen erteilten bei Ungehorsam stets politische Antworten, indem sie Abschreckungsurteile fällten. Im Krieg wurde aus diesem Grund für jeden Tatbestand die Verhängung der Todesstrafe ermöglicht, siehe § 5a der Kriegsstrafrechtssonderverordnung. Das Terrorurteil gegen den Mindener Pionier Georg Weber, Todesstrafe für „Unerlaubte Entfernung“, dokumentiert exemplarisch, dass bei der Urteilsfindung des Feldgerichtes nicht ein persönliches Fehlverhalten, sondern der Abschreckungsgedanke den Ausschlag gab. Webers Feldrichter von der 16. Panzer-Division bildeten keine Ausnahme. Professor Messerschmidt hebt hervor, dass von den Wehrrnachtsgerichten im Zweiten Weltkrieg ca. zwanzigtausend Todesurteile vollstreckt worden sind, im Ersten Weltkrieg wurden auf deutscher Seite achtundvierzig Hinrichtungen gezählt!

„Mindener Friedensplenum“, v.i.S.d.P. Bernd Brüntrup

 

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Vortrag und Aussagen von Professor Mommsen
zur Ausstellung

aus der Berichterstattung im Mindener Tageblatt vom 3.7.04

 

In sich zerrissener Widerstand ohne Basis

Kenner der NS-Zeit: Professor Hans Mommsen analysiert Schwächen und Widersprüche der Männer des 20. Juli

Von Jürgen Langenkämper

Minden (mt). Es gibt kein Schwarz-Weiß-Bild des deutschen Widerstandes.” Die Aussage Prof. Dr. Hans Mommsens weist deutlich auf die Schwierigkeiten vorschneller Bewertung und Einordnung der Männer des 20. Juli hin und auch des Widerstandes gegen Hitler darüber hinaus.

Unerhofft viele Zuhörer waren am Dienstagabend ins Preußen-Museum gekommen, um den ausgewiesenen Kenner der NS-Zeit als historischen Hauptredner im Rahmenprogramm zur Ausstellung Aufstand des Gewissens” zu hören, die auf Initiative der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik seit Sonntag bis zum 21. Juli in Minden gezeigt wird. 150 Stühle im Ständersaal reichten nicht, mehr als zwei Dutzend ließ Museumsdirektor Dr. Veit Veltzke, selbst Mommsen-Schüler, nachträglich aufstellen, und selbst auf dem Flur verfolgten Zuhörer jeden Alters - auch Bundeswehrsoldaten waren gekommen - den mehr als anderthalbstündigen Vortrag mit anschließender Diskussion.

Politische Zielsetzungen und moralische Beweggründe der Verschwörung gegen Hitler” lautete Mommens Thema. In einer Tour d‘Horizon überflog der Altmeister das unübersichtliche Gelände, jederzeit bereit und in der Lage den Einblick zu vertiefen. Für den Laien unübersichtlich deshalb, weil der politische und militärische Widerstand, der zum 20. Juli geführt hat, keineswegs ein festgefügter Block war, wie er später gern von der jungen Bundesrepublik - aber auch erst nach einigen Jahren des Abstands - und umso mehr später von der Führung der Bundeswehr gesehen wurde.

Selbst moralisch waren Protagonisten wie Goerdeler nicht unangreifbar. Er habe die Rassenpolitik der Nazis anfangs aktiv unterstützt”, so Mommsen. Selbst bei Stauffenberg, der die Massaker an der jüdischen Bevölkerung im Osten verurteilt habe, sei die Lage nicht eindeutig. Aber ein zentrales Motiv für sein Attentat sei der Widerstand gegen Hitlers Antisemitismus nicht gewesen.

Mommsen charakterisierte den 20. Juli nicht nur als Widerstand ohne Volk” im sozialen Sinne, weil den Verschwörer eine breite Basis fehlte. Er offenbarte in seiner Analyse der politischen Ziele und Konzepte auch, dass die Vordenker gar nicht an eine breite Legitimation eines Nach-Hitleristischen-Staates dachten. Ein Grund: Der Weg zu einer bloßen Wiederherstellung der Weimarer Verfassung war unmöglich geworden, die Weimarer Republik galt als gescheitert.” Im rechten Lager habe es Stimmen für deren Schuld am Aufstieg der Nazis gegeben.

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Zum vollständigen Artikel:
http://www.mt-online.de/minden/t00138089.htm
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03.07.2004

 

Mommsen: Der Titel muss weg”

Bekannter Historiker sieht auch Schwächen der Ausstellung

Minden (lkp). Wo fing Widerstand gegen den Nationalsozialismus an, wo hörte er auf? Was wäre nicht dazu zu rechnen? Was Widerstand ist, bestimmt die Gestapo”, offenbart Prof. Dr. Hans Mommsen im Gespräch eine verblüffende, auf den zweiten Blick aber ganz einleuchtende Faustregel.

Nicht jede Unmutsäußerung zog zwischen 1933 und 1945 drastische Sanktionen - bis hin zur Tötung - nach sich, aber sie konnte es. Das war auch ein bisschen Zufall”, so der erfahrene Historiker.

Leute konnten kritisch denken, ohne Kontakt zum Widerstand zu bekommen”, hat Mommsen erforscht und zollt diesen Menschen für ihren Mut und ihre Einsicht zumindest Respekt. Dass Gestapo und Sondergerichte mit ihrer Heimtücke”-Rechtsprechung in den letzten Kriegsmonaten, also nach dem 20. Juli, noch viele Opfer gefordert haben, bedarf einer größeren Hervorhebung”, so der Nestor der NS-Forschung, der sein Spezialgebiet keineswegs am Ziel aller Analyse- und Aufarbeitungsbemühungen sieht, so in der Regionalgeschichte, in den baltischen Staaten und in der Ukraine, wo die Öffnung der Archive die deutsche Besatzungsherrschaft detaillierter beleuchten könnte. Auch erkennt er immer noch Schwächen.

Schwächen, wo aus seiner Sicht zu sehr an Täter-Psychogrammen gefeilt wird. Die Gauleiter verschließen sich vollkommen einer biographischen Analyse”, sagt Mommsen. Damit sei nicht zu erklären, warum es zu der Eskalation der Brutalität, diesem Amoklauf des Dritten Reichs”, gekommen sei. Das System macht die Leute, und nicht die Leute das System”, hält er dagegen und fordert eine Stärkung der politischen Analyse, auch wenn sich die Zahl der Historiker, die sich mit dem Nationalsozialismus befassen radikal reduziert” habe.

Schwächen aber sieht der Fachhistoriker auch in der vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt konzipierten und überarbeiteten Ausstellung Aufstand des Gewissens”. Der Titel muss weg”, fordert Mommsen rundheraus. Denn einige der Männer, die spät zum 20. Juli kamen, waren wie General Stülpnagel, der Generalquartiermeister Wagner und der Chef des Reichskriminalamtes Nebe tief in die Judenverfolgung, mehr noch -vernichtung verstrickt. Aber aus taktischen Gründen seien sie nicht ausgesperrt” worden, als sie in der eigentlichen Phase der Attentatsvorbereitung auf die Seite der Verschwörer übergingen”.

An der Wanderausstellung kritisiert Mommsen hagiographische Tendenzen”. Sie sei voller Ecken von Ladenhütern” und spiegele nicht den Stand der Wissenschaft wider, die ein bisschen weiter” sei. Deshalb müsse man sie irgendwann modernisieren”.

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Zum vollständigen Artikel:
http://www.mt-online.de/minden/t00138088.htm
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03.07.2004

 

Vielfältigen Widerstand würdigen

Friedensplenum vermisst lokale Bezüge in Ausstellung und demonstriert

Von Martin Steffen

Minden (mar) „Widerstand war vielfältig und auch lokal” - diese kaum strittige Erkenntnis über Gegner und Opfer des NS-Regimes war Dienstagabend das Motto einer Kundgebung des Mindener Friedensplenums am Preußen-Museum.

Die Demonstration fand vor dem Vortrag des Historikers Professor Hans Mommsen über Zielsetzungen der Verschwörer gegen das NS-Regime statt (siehe Bericht).

Mommsens Vortrag gehört zum Begleitprogramm der Ausstellung Aufstand des Gewissens” über den militärischen Widerstand. Den wollten die gut 70 Demonstranten Dienstag nicht kleinreden, und auf keinen Fall gegen Herrn Mommsen” protestieren, so Organisator Bernd Brüntrup. Was sie vermissen, sei eine Würdigung der lokalen Dimensionen von Widerstand und Verweigerung. 62 Namen, 62 derzeit bekannte Schicksale aus der Region hatten die Demonstranten auf Papptafeln dokumentiert.

Damit flankierten sie den Weg der Vortragsbesucher, an die sie ein Flugblatt verteilten, das Verweigerungsakte der kleinen Leute” thematisierte.

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Zum vollständigen Artikel: http://
www.mt-online.de/minden/t00138052.htm
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02.07.2004

 

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Städtische Beratungen zur Straßensuche und -benennung

 

Zur Berichterstattung im Mindener Tageblatt / mt-online vom 14.05.04

 

Der halbe Pflasterweg und ein neuer Name

Bauausschuss befasst sich mit Gestaltung des Zugangs zum Simeonsplatz / Möglichkeit für Heinrich-Kurlbaum-Straße

Ein neuer Vorschlag zur Straßenbenennung nach Heinrich Kurlbaum liegt auf dem Tisch: Die Strecke entlang der Bastau kommt jetzt infrage. MT-Foto: Manfred Otto

14.05.2004 von Stefan Koch

Minden (mt). [...]

Auch der Name Heinrich Kurlbaums war Thema im Bauausschuss. Seit Jahren versuchen die Zeugen Jehovas und ein Unterstützerkreis, eine Straße oder einen Weg am Simeonsplatz nach dem im Dritten Reich Hingerichteten zu benennen. Dort hatte nämlich der gebürtige Rothenuffelner seine Ausbildung zum Pionier absolviert, bevor er wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt wurde.

Auf Anfrage von Bernd Brüntrup, Mitglied des Unterstützerkreises "Heinrich-Kurlbaum- Straße", erklärte Gerold, dass der Weg entlang der Bastau Richtung Ständerhaus möglich sei. Probleme mit der Postanschrift möglicher Anwohner könne es nicht geben, da keine Bebauung in diesem Bereich vorhanden sei. In der kommenden Bauausschusssitzung werde darüber entschieden.

http://www.mt-online.de/minden/t00136600.htm

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Unterstützerkreis-Informationen vom 9. Mai 2004

Es gibt einiges zu berichten. Vor allem ist auf zwei aktuelle Veranstaltungen hinzuweisen.

1. Zu unserer Bürgeranfrage am 19.12.2003 im Rat der Stadt der Minden hat sich Bürgermeister Korte insofern positiv geäußert, als er u. a. wörtlich ausgeführt hat:

"Die Stadt Minden hat bisher keinen Beschluss gegen eine Benennung einer Straße nach Heinrich Kurlbaum gefasst. Im Gebiet des Simeonsplatzes bietet sich nach der Fertigstellung des Platzes die Möglichkeit, den parallel zur Bastau zu errichtenden Weg nach Heinrich Kurlbaum zu benennen."
Nachdem die letzten "Straßen"bauarbeiten am Simeonsplatz in diesen Tagen abgeschlossen werden, befasst sich der Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr nunmehr

am 12. Mai 2004, 16:30 Uhr, Rathaus, Sitzungszimmer 1.36, in öffentlicher Sitzung

unter dem Tagesordnungspunkt 1 mit der "Vorstellung des fußläufigen Platzrandan- schlusses des Simeonsplatzes an die Innenstadt".
Wir sollten zahlreich die Gelegenheit nutzen, unser Anliegen erneut vorzubringen. Ob eine Beschlussfassung zur Namensgebung geplant ist, weiß ich leider nicht. Es handelt sich jedoch genau um den Weg, den Bürgermeister Korte angesprochen hat.

2. Ein Gespräch zwischen Mitgliedern des Unterstützerkreises und der Leitung des Preußens-Museums im Nachgang zu unserem kritischen Rundgang am 20. Juli 2003 verlief in offener Atmospähre. Eines unserer Anliegen, sozusagen im Vorgriff auf die  Veranstaltungsreihe zum 60. Jahrestages des 20. Juli 1944 eine eigene Veranstaltung anläßlich des Todestages von Heinrich Kurlbaum im Preußenmusuem durchzuführen, konnten wir jedoch nicht erreichen.
Die von den Zeugen Jehovas getragene Vortragsveranstaltung/Lesung mit Horst Schmidt über die Zeit des Widerstandes im Dritten Reich findet nunmehr am Samstag, den 15. Mai 2004, 15:00 Uhr, im Weserkolleg in Minden, Marktplatz obere Altstadt, statt.
Bernd Brüntrup

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Zur Berichterstattung im Mindener Tageblatt / mt-online vom 17.05.04

 

Späte Erinnerungen von zwei Überlebenden

Doppellesung aus den Werken von Hermine und Horst Schmidt / Als Zeugen Jehovas im Widerstand kennen gelernt

Hermine Schmidt und Hans Hesse lasen am Samstag im Weserkolleg. MT-Foto: Stefan Koch

Von Stefan Koch

Minden (mt). Für eine Doppellesung zu zwei durch Verfolgung im NS-Staat miteinander verbundenen Biografien war am Samstag das Weserkolleg geöffnet: Die Eheleute Hermine (80) und Horst Schmidt (84) wurden als Zeugen Jehovas inhaftiert und hatten ihre Erinnerungen in Buchform herausgebracht.

Die Schmidts lernten sich 1942 in Danzig kennen. Unter dem Decknamen "Bubi" war Horst Schmidt in Dritten Reich im Widerstand aktiv, vervielfältigte und verteilte Publikationen der Zeugen Jehovas, die damals noch "Bibelforscher" hießen. Bei den Eltern seiner späteren Frau fand er Unterschlupf. Dafür wurden er und seine Gastfamilie von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet.

"Der Tod kam immer montags" lautete nun der Titel der Erinnerungen von Horst Schmidt. Der Historiker Hans Hesse las am Samstag Passagen aus dem Werk des gebürtigen Lübbeckers, dessen Entstehung er als Herausgeber betreut hatte. Der Autor selbst konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein.

Schmidt schildert seine Festnahme im Haus seiner zukünftigen Schwiegereltern in Danzig, die Folterungen im Gestapo-Gefängnis und die Verhandlung vor dem Volksgerichtshof, bei der er sich zusammen mit elf weiteren Mitgliedern seiner Glaubensgemeinschaft zu verantworten hatte. Nach 30 Minuten fällte der Volksrichter fünf Todesurteile - Schmidt war darunter.

Im "Vorzimmer des Todes", so das Buchkapitel zur weiteren Station im Gefängnis Brandenburg-Görden, war Schmidt mit einem Polen und einem Franzosen in der Todeszelle zusammengesperrt. Die Ausländer wurden noch kurz vor der Ankunft der Roten Armee geköpft - Schmidt überlebte und verließ den Ort an dem nun ein russischer Panzer "in der Aprilsonne glitzerte".

Hermine Schmidts Buch heißt „Die gerettete Freude“. Sie las am Samstag ebenfalls aus ihrem Werk, das ihren Weg nach der Verhaftung in Danzig im Jahr 1942 beschreibt. Im Konzentrationslager Stutthof- Danzig musste die damals 18-Jährige nackt vor den Augen der SS-Leute duschen - sie erhielt eine Schnitte Brot als Tagesration. Wegen der herannahenden Front wurden die Lagerinsassen auf dem Seeweg verlegt. Typhus und andere Seuchen grassierten unter den in einem Kahn Eingeschlossenen. Wer "tot oder halb tot" war, wurde ins Meer geworfen. Nach Havarien auf der Ostsee krochen die Überlebenden schließlich auf der dänischen Insel Mn in die Freiheit.

Ihre ersten vier Ehejahre verbrachten die Schmidts ab 1947 in Lübbecke und zogen dann ins Ruhrgebiet. 50 Jahre nach seiner Inhaftierung erhielt Horst Schmidt den Abschiedsbrief seiner Adoptivmutter Emmy Zehden, die 1944 in Berlin- Plötzensee hingerichtet wurde, da sie als Zeugin Jehovas drei Kriegsdienstverweigerern geholfen hatte. Der Adoptivvater wurde wegen seiner jüdischen Abstammung in Auschwitz ermordet.

Im gut besuchten Vortragssaal des Weserkollegs war am Samstag auch eine Mitarbeiterin des Stadtarchivs Lübbecke, um sich über das Schicksal Emmy Zehdens zu informieren. Bereits in Berlin wurde eine Straße nach der in Lübbecke geborenen benannt. Nun laufen in ihrer Heimtstadt Bestrebungen, ein Gleiches zu tun.

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Zum vollständigen Artikel:
http://www.mt-online.de/minden/t00136678.htm
copyright by mt-online.de / 17.05.2004

Zur Buchbesprechung im Mindener Tageblatt vom 24.04.2004:
Kriegsdienstverweigerung mit Tod bezahlt
Zeuge Jehovas liest aus seinem Buch über Verfolgung im Dritten Reich / Neue Alternative für Kurlbaum-Straße in Sicht
Von Stefan Koch

 

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Beantwortung der Bürgeranfrage

Schreiben des Bürgermeisters vom 23.12. 2003

Antwort zur Bürgeranfrage in der Stadtverordnetenversammlung am 19.12.03
Schreiben des Bürgermeisters der Stadt Minden an Bernd Brüntrup vom 23.12.03

Hier: Straßenbenennung nach Heinrich Kurlbaum

1. Frage:
Wie will die Stadt das nach der politischen Beschlusslage erklärte Ziel, den Zufahrtsweg zum Gesundheitsamt mit „Heinrich-Kurlbaum-Straße/Weg“ zu benennen (so der ehemalige Fachbereichsleiter Tuleweit in einem Schreiben vom 28. November 2001), nunmehr endlich erreichen?
Antwort:
Es gibt keinen politischen Beschluss der Stadt Minden, den Zufahrtsweg zum Kreisgesundheitsamt umzubenennen. Am 30.01.2002 wurde im BUV einvernehmlich besprochen, mit den Anliegern einen Konsens in dieser Frage erreichen zu wollen. Für eine Umbenennung konnte kein Konsens hergestellt werden.

2. Frage:
Wie bewertet die Stadt das Argument des Landrates Wilhelm Krömer, dass die Benennung des Zufahrtsweges zum Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke in „Heinrich-Kurlbaum-Straße“ Besuchern ein Auffinden des Gesundheitsamtes erschweren würde?
Antwort:
Der Landrat hat mit Schreiben vom 26.11.2001 auf die Notwendigkeit verwiesen, die im Rahmen der Kommunal- und Funktionalreform der ehemaligen Kreise angestrebte Entwicklung eines eigenständigen Selbstbewusstseins und Zusammengehörigkeitsgefühl weiter zu entwickeln. Der Bürgermeister der Stadt Minden schließt sich der Argumentation des Landrates an.

3. Frage:
Inwiefern hätte diese Benennung ”Umbenennungskosten zur Folge und wie hoch wären diese gegebenenfalls?
Antwort:
Eine neue Anschrift des Kreisgesundheitsamtes hätte neben den Kosten für die StraßenschiIder umfangreiche Änderungen bei den Briefbögen der Kreisverwaltung zur Folge. Deren Höhe kann seitens der Stadt nicht präzise ermittelt werden.

4. Frage:
Warum will die Stadt den gegebenen historischen und lokalen Zusammenhang zwischen dem Schicksal Heinrich Kurlbaums und dem Areal der Simeonskaserne nicht für eine Straßenbenennung nach Heinrich Kurlbaum nutzen?
Antwort:
Die Stadt Minden hat bisher keinen Beschluss gegen eine Benennung nach Heinrich Kurlbaum gefasst. Im Gebiet des Simeonsplatzes bietet sich nach der Fertigstellung des Platzes die Möglichkeit, den parallel zur Bastau zu errichtenden Weg nach Heinrich Kurlbaum zu benennen.

[Ende des Schreibens]

Redaktioneller Hinweis: Mitschnitt der Sendung von Radio Eriwan lag am 32.12. noch nicht vor und muss somit entfallen.

 

Ratssitzung am 19. Dezember 2003

Im Spiegel der Presse

Zur Berichterstattung im Mindener Tageblatt / mt-online vom 20.12.03

Von Stefan Koch

Fortsetzung der Straßen-Suche

Gedenken an NS-Opfer Thema der Bürgerfragestunden / Korte präsentiert neue Alternative

Minden (mt). Ein Pionier aus Oberlübbe war gestern Thema der Bürgerfragestunde: Heinrich Kurlbaum wurde als Zeuge Jehovas von der Wehrmachtsjustiz zum Tode verurteilt. Auf der Suche nach einer Straße, die diesen Namen trägt, stellte Bürgermeister Reinhard Korte nun den Weg zu den Simeonsbetrieben an der Bastau als Alternative in den Raum.

Schon fünf Jahre dauert die Suche nach einer geeigneten Straße - in 15 Minuten wurde am Freitag das Thema in der Bürgerfragestunde zur Stadtverordnetenversammlung behandelt. Erschienen waren Vertreter der Zeugen Jehovas, des Mindener Versöhnungsbundes, des Unterstützerkreises Heinrich-Kurlbaum-Straße und nicht zuletzt Lina Geratz (88), die Schwester des im Mai 1944 von einem Erschießungskommando Hingerichteten.

Die Vorgeschichte: Heinrich Kurlbaum geriet als Zeuge Jehovas mit dem NS-Staat in Konflikt, als er seinen Einberufungsbescheid erhielt. Da seine Religion das Töten verbietet, verweigerte er zunächst den Fahneneid und wurde ins Mindener Militärgefängnis gebracht . Als er später als Brückenbau-Pionier an der Ostfront im Einsatz war, fiel er den Mühlen der NS-Justiz erneut zum Opfer: Bei einem Angriff blieb er unbewaffnet bei seinen Kameraden. Dafür verurteilte ihn ein Militärgericht wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode. Allein 35 Zeugen Jehovas wurden im Dritten Reich im Altkreis Minden inhaftiert oder getötet.

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http://www.mt-online.de/minden/t00132365.htm

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„In ungezählten Mühen wächst das Schöne“

- Euripides -

 

Bürgeranfrage an den Rat der Stadt Minden

Ratssitzung am 19. Dezember 2003 · 16:30 Uhr

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Korte,

wir werden in der Ratssitzung am 19. Dezember 2003 folgende Fragen an Sie richten, die wir gemäß § 18 (1) S. 3 GO Stadtverordnetenversammlung und Ausschüsse hiermit schriftlich vorlegen.

1.
Wie will die Stadt das nach der politischen Beschlusslage erklärte Ziel, den Zufahrtsweg zum Gesundheitsamt mit „Heinrich-Kurlbaum-Straße/Weg“ zu benennen (so der ehemalige Fachbereichsleiter Tuleweit in einem Schreiben vom 28. September 2001), nunmehr endlich erreichen?

2.
Wie bewertet die Stadt das Argument des Landrates Wilhelm Krömer, dass die Benennung des Zufahrtsweges zum Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke in „Heinrich-Kurlbaum-Straße“ Besuchern ein Auffinden des Gesundheitsamtes erschweren würde?

3.
Inwiefern hätte diese Benennung "Umbenennungskosten“ zur Folge und wie hoch wären diese gegebenenfalls?

4.
Warum will die Stadt den gegebenen historischen und lokalen Zusammenhang zwischen dem Schicksal Heinrich Kurlbaums und dem Areal der Simeonskaserne nicht für eine Straßenbenennung nach Heinrich Kurlbaum nutzen?

 

Begründung:

1. Seit nunmehr fünf Jahren wird von verschiedenen Mindener Organisationen die Forderung erhoben, eine Straße im Bereich der ehemaligen Simeonskaserne nach dem am 15. Mai 1944 hingerichteten Kriegsdienstverweigerer Heinrich Kurlbaum aus Oberlübbe zu benennen.

Die Gruppe Minden des Versöhnungsbundes hatte sich im Herbst 1998 als erste Organisation in der Stadt dafür eingesetzt, an Heinrich Kurlbaum zu erinnern. Zur Begründung erklärte die Versöhnungsbundgruppe Minden damals, dass durch eine entsprechende Entscheidung der Stadt sichtbar würde, „dass Willkürurteile der Wehrmachtjustiz auch vor Ort nicht länger als Recht hingenommen werden.“

1998 befand sich das weitläufige Areal der ehemaligen Simeonskaserne einschließlich des Simeonsplatzes mitten im Ausbaustadium. Mehrere neue Straßenzüge waren auf dem Gelände angedacht und Namensvorschläge erbeten. Im Mai 1999 wurde für die bis dahin neu fertig gestellten Straßenzüge entgegen dem Vorschlag der Versöhnungsbundgruppe vom Bauausschuss der Name „Simeonscarré“ beschlossen. Später stellte sich heraus, dass noch weitere geplante Straßenzüge auf dem ehemaligen Kasernengelände im Vorgriff mit diesem Namen versehen worden sind.

Die Versöhnungsbundgruppe war seinerzeit mit der Antwort bedacht worden, dass man später anderswo auf ihren Vorschlag zurückkommen wolle. Inzwischen läßt das Bauamt in Gesprächen mit Antragstellern durchblicken, dass mit "anderswo" ein Neubaugebiet gemeint sei.

2. Nachdem sich nach dem Beschluss des Bauausschusses in der Frage "Heinrich -Kurlbaum-Straße" über ein Jahr lang nichts bewegt hatte, brachte die Ortsgruppe der Zeugen Jehovas,- Heinrich Kurlbaum war Anhänger dieser Religionsgemeinschaft-, im Herbst 2000 den Kompromissvorschlag ein, die bisher unbenannte Zufahrtsstraße zum Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke nach Heinrich Kurlbaum zu benennen. Die Zufahrt zum Gesundheitsamt befindet sich zwischen dem Klinikum II und dem Kreishaus schräg gegenüber der ehemaligen Simeonskaserne.

An der Stelle, wo heute das Gesundheitsamt steht, befand sich bis Anfang der 70er Jahre das ehemalige Mindener Militärgefängnis. Heinrich Kurlbaum war im März 1943 von hier vor das Reichskriegsgericht in Berlin verbracht worden. Vor den Richtern hatte Heinrich Kurlbaum eingewilligt, sich zum Brückenbaupionier ausbilden zu lassen. Die Ausbildung erfolgte beim Mindener Brückenbau-Pionierbataillon 2, das in der Simeonskaserne untergebracht war.

Anschließend war Heinrich Kurlbaum an die Ostfront verlegt worden. Weil er sich dort geweigert hatte, eine Waffe in die Hand zu nehmen, wurde er feldgerichtlich zum Tode verurteilt und anschließend hingerichtet. Die Zeugen Jehovas haben darauf hingewiesen, dass Heinrich Kurlbaums religiös motivierter Pazifismus im Zweiten Weltkrieg von ca. 250 ebenso hingerichteten Glaubensbrüdern geteilt worden ist und mit der Straßenbenennung der standhaften Haltung dieser Opfer gedacht werden sollte.

Der Vorschlag der Zeugen Jehovas ist von der Versammlung der Ortsheimatpfleger am 16 . Januar 2001 einstimmig unterstützt worden. Der im Jahrer 2001 gegründete „Unterstützerkreis Heinrich Kurlbaum-Straße“ hat sich dem Antrag der Zeugen Jehovas angeschlossen und der Stadt dazu eine Petition mit 130 Unterschriften übergeben. Am 20. Juli 2002 wurde an die "unerledigten" Straßenbenennungsanträge von interessierten MinderInnen mit der symbolischen Aufstellung eines Straßenschildes "Kurlbaumstraße" an der Zufahrt zum Gesundheitsamt erinnert.

4. Von der Stadt Minden ist über die Straßenbennungsanträge bisher mit wechselnden Begründungen noch nicht entschieden worden. Zunächst hieß es aus dem Rathaus, der Zufahrtsweg zum Gesundheitsamt gehöre zur "Alten Hausberger Torstraße" und sei damit bereits benannt.

Nachdem der damalige Leiter des städtischen Bauamtes zur Kenntnis nehmen musste, dass mit dem Bau des Gesundheitsamtes von der "Alten Hausberger Torstraße" nur noch ein Teilstück im Glacis übrig geblieben ist, wurde dieses Argument fallengelassen.

Stattdessen wird jetzt auf Anliegerstimmen verwiesen. Es gibt zwei Anlieger, die Kreisverwaltung und das Klinikum Minden. Der Landrat Wilhelm Krömer (CDU) gab in seiner Eigenschaft als Leiter der Kreisverwaltung, zu der das Gesundheitsamt mit einem eigenen Gebäudekomplex an besagter Zufahrtsstraße gehört, Erstaunliches zum Besten: Falls die bisherige Anschrift des Gesundheitsamtes -es trägt ebenso wie das Hauptgebäude der Kreisverwaltung die Adresse „Portastraße“- geändert würde, so der Landrat, wäre es für Besucher schwieriger auffindbar. Das Gegenteil ist der Fall: durch die Benennung der Zufahrt in „Heinrich-Kurlbaum-Straße“ ist das Gesundheitsamt leichter auffindbar. Besucher, die nur die Postanschrift "Portastraße" kennen, müssten sich nicht vom Hauptgebäude mühsam zum Nebengebäude Gesundheitsamt durchfragen.

Das Klinikum, das sich als weiterer Anlieger ebenfalls gegen den Namen Heinrich -Kurlbaum-Straße ausgesprochen hat, zieht demnächst nach Häverstädt um und hat seine Hauptzufahrt bis dahin weiter in der Johannsenstraße.

5. Einem Brief des neuen Fachbereichsleiters Klaus-Georg Erzigkeit vom 20. Februar 2003 an den Unterstützerkreis Heinrich-Kurlbaum-Straße ist nunmehr zu entnehmen, dass der Verwaltungsvorstand beschlossen hat, im Gebiet der Stadt Minden aus Kostengründen keine Straßenumbennungen vorzunehmen. Dieses Argument geht insofern fehl, als es sich bei der Zufahrtsstraße zum Kreisgesundheitsamt um eine bisher unbenannte Straße und damit im Ergebnis um eine Erst-/Neubenennung handelt.

6. Festzuhalten ist, dass bisher keine Beschlussfassung über die Anträge des Versöhnungsbundes bzw. der Zeugen Jehovas erfolgt ist.

Mit freundlichen Grüßen
Bernd Brüntrup
Kristan Kossack

 

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Unterstützerkreis „Heinrich Kurlbaum Straße“

Sachstand: Juli 2003

Die Ortsgruppe-Minden des "Versöhnungsbundes" hatte sich im Herbst 1998 als erste Organisation in der Stadt dafür eingesetzt, auf dem im Umbau befindlichen Areal der ehemaligen Kasernen am Simeonsplatz an Heinrich Kurlbaum zu erinnern. Kurlbaum war hier im Block A zwischen August 1943 bis Februar 1944 zum Brückenbaupionier ausgebildet worden. In der Begründung erklärte der Versöhnungsbund unter anderem, dass durch eine entsprechende Entscheidung der Stadt sichtbar würde, "dass Willkürurteile der Wehrmachtjustiz auch vor Ort nicht länger als Recht hingenommen werden." Im Mai 1999 wurden die bis dahin fertig gestellten Straßenzüge stattdessen vom Bauausschuss beim Rat der Stadt mit dem Namen "Simeonscarrée" bedacht. Später stellte sich heraus, dass auch zukünftig geplante Straßenzüge auf dem ehemaligen Kasernengelände vorsorglich mit diesem Namen mitsamt Postadressen versehen worden sind, so dass für eine Kurlbaum Straße kaum noch Raum übrig bleibt.

Im September 2000 hatte die Regionalgruppe der Zeugen Jehovas - Heinrich Kurlbaum war Mitglied dieser Religionsgemeinschaft und hatte sich 1944 an der Ostfront geweigert, eine Waffe in die Hand zu nehmen - eine unbenannte Stichstraße zwischen Portastraße und Gesundheitsamt in der Nähe der Simeonskaserne nach dem Kriegsdienstverweigerer und Glaubensbruder zu benennen. An der Stelle, wo heute das Gesundheitsamt steht, befand sich früher das Mindener Militärgefängnis. Hier war Kurlbaum nach seiner Einberufung zum Bau Pionier Bataillon 6 in Minden im März 1943 zunächst festgehalten worden, bevor er wegen seiner Weigerung den Fahneneid abzulegen, vor das Reichskriegsgericht in Berlin kam. Nachdem ihm in Berlin versprochen worden war, dass er als Brückenpionier nicht zur Waffe greifen müsste, hatte Kurlbaum den Eid abgelegt und den Wehrdienst angetreten, was ihn zunächst vor der drohenden Todesstrafe bewahrte.

Die hiesige Regionalgruppe der Zeugen Jehovas hat in ihrem Antrag mit Recht darauf hingewiesen, dass Kurlbaums religiös motivierter Pazifismus im Zweiten Weltkrieg von über zweihundert ebenso hingerichteten Glaubensbrüdern geteilt werde. Diese mutige Haltung habe wesentlich dazu beigetragen, dass nach dem Krieg das Recht auf Kriegsdienstverweigerung im Grundgesetz verankert werden konnte. Bei einem Treffen hatten sich die Ortsheimatpfleger am 16. Januar 2001 ebenfalls für die Benennung der Stichstraße nach Heinrich Kurlbaum ausgesprochen.

Die Verantwortlichen der Stadt reagierten auf den Antrag mit Täuschungsversuchen: Sie versteckten sich zunächst hinter zwei Anliegerstimmen, die sich gegen eine Benennung der Stichstraße aussprachen. Bei der Befragung des Klinikums an der Portastraße wurde außer Betracht gelassen, dass das Krankenhaus demnächst umzieht und damit als Anlieger ausscheidet. Der Haupteingang und Zufahrtsweg zum Klinikum II liegt überdies woanders, an der Johannsenstraße. Der amtierende Landrat Krömer behauptete im Namen der Kreisverwaltung, zu der das Gesundheitsamt als weiterer Anlieger gehört: Falls die bisherige Anschrift des Gesundheitsamtes ("Portastraße") geändert würde, wäre es für Besucher und Mitarbeiter schwieriger auffindbar. Diese Behauptung ist falsch. Tatsächlich müssen sich Ortsfremde wegen der bisherigen Adresse mühsam zum Gesundheitsamt durchfragen, da es sich nicht an der Portastraße befindet. Dagegen würde eine Ergänzung der Postanschrift ("Portastraße/Kurlbaumstraße") in Zukunft das Auffinden erleichtern.

Der im Oktober 2001 gegründete "Unterstützerkreis Heinrich Kurlbaumstraße" hatte sich ebenfalls dem Antrag der Zeugen Jehovas angeschlossen und der Stadt 130 Unterstützerunterschriften übergeben. Am 20. Juli 2002 wurde die Forderung von interessierten MindenerInnen mit einer symbolischen Aktion vor Ort - siehe nebenstehendes MT-Foto - bekräftigt. Die Stadtverwaltung, der die durchsichtigen Ausreden von CDU-Landrat Krömer offenbar peinlich waren, verlegte sich auf einen neuen Schachzug: Der ebenfalls christdemokratisch gelenkte Verwaltungsvorstand der Stadt lehnt heute "Umbenennungen" von Mindener Straßen aus "Kostengründen" ab. Von einer "Umbenennung" kann in diesem konkreten Fall allerdings keine Rede sein. Es handelt sich lediglich um eine Benennung einer bisher unbenannten Stichstraße. Eine Änderung der Postadresse des Gesundheitsamtes wäre damit weitestgehend kostenneutral, weil der Name "Portastraße" weiterhin Adressenbestandteil bliebe und die Ergänzung " … /Kurlbaumstraße mittelfristig erfolgen könnte (im nächsten Telefonbuch usw.). Als einziger Kostenfaktor verblieben die Herstellungskosten für ein Straßenschild. Sein Preis wird beim Rat der Stadt eruiert und könnte mittels Spendensammlung aufgebracht werden.

Der "Unterstützerkreis Heinrich Kurlbaumstraße" ist sich darüber im Klaren, dass vermutlich auch in der Zukunft, zumal bei konservativen Mehrheiten im Stadtparlament, mit neuen Ausreden zu rechnen sein wird. Für den nötigen langen Atem existieren andernorts Vorbilder. Die Benennung der Universität in Düsseldorf nach dem jüdischen Dichter und engagierten Demokraten Heinrich Heine war 1988 erst nach zwanzigjährigen Bemühungen von Erfolg gekrönt.

 

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Zur Berichterstattung im Mindener Tageblatt am 23.07.2002

Straßenumbenennung wird zur "Realsatire"

Unterstützerkreis Heinrich-Kurlbaum-Straße stellt Schild zur symbolischen Benennungsaktion auf

Minden (cpt). "Wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen, dieses Wegstück umzubenennen!" Dieses Fazit zog Bernd Brüntrup, Sprecher des "Unterstützerkreises Heinrich-Kurlbaum-Straße" bei der symbolischen Straßenumbenennungsaktion an der Portastraße.

Seit geraumer Zeit bemühen sich die Mitglieder des Unterstützerkreises um die Neubenennung des vorhandenen Weges, einem Teilstück der ehemaligen Alten Hausberger Torstraße, zwischen Kreisverwaltung und KIinikum II (das MT berichtete). Immer wieder werden die gestellten Anträge abschlägig behandelt. Nun schritt der Unterstützerkreis zur Tat, stellte ein Straßenschild her und stellte es einige Minuten auf.

In einer kurzen Ansprache ging Bernd Brüntrup auf die Lebensgeschichte des Oberlübber Pazifisten Heinrich Kurlbaum ein, der 1943 zum Brückenbau-Pionier in der Simeonskaserne ausgebildet wurde, aufgrund seiner religiösen Überzeugung, er war Zeuge Jehovas, den Eid verweigerte und einige Tage im ehemaligen Kriegsgefängnis hinter dem heutigen Klinikum II ver- brachte.

Abkommandiert nach Russland habe Kurlbaum sich geweigert, eine Waffe zu benutzen, wurde wegen Wehrkraftzersetzung darauf hin zum Tode verurteilt. Die Aussagen der Verwaltung, dass bei einer Neubenennung der namenlosen Straße Besucher nicht mehr das Gesundheitsamt oder das Klinikum II finden würden, bezeichnete Brüntrup als Realsatire.

Namenloser Weg soll an Oberlübber Pazifisten erinnern.
MT-d-Foto: Christine Potter

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Weitere Informationen

Zur Berichterstattung im Mindener Tageblatt am 24.01.2003 / MT-online

Heinrich Kurlbaum in Ausstellung des Landtages

"Erinnern für die Zukunft" widmet sich ermordeten Zeugen Jehovas / Straßennamen gefordert

Von Stefan Koch

Minden (mt). Das Thema "Heinrich Kurlbaum" ist jetzt auch im NRW-Landtag präsent. In einer Ausstellung wird nämlich auch der von den Nazis ermordete Zeuge Jehovas gewürdigt. Seit zwei Jahren bemühen sich die Glaubensgemeinschaft und ein Unterstützerkreis in Minden darum, eine Straße nach dem NS- Opfer zu benennen.

"Erinnern für die Zukunft" heißt das Thema der Ausstellung, in der das Schicksal der NS -Opfergruppe der Zeugen Jehovas dokumentiert wird. Zur Eröffnung am Mittwoch hatte Landtagspräsident Ulrich Schmidt 100 Zeitzeugen aus ganz Nordrhein-Westfalen eingeladen - von den rund 20 direkt oder indirekt Betroffenen kamen fünf aus dem Kreis Minden- Lübbecke. Eine von ihnen war Lina Gerhartz, die Schwester von Heinrich Kurlbaum.

Der gebürtige Oberlübber trat 1926 im Alter von 25 Jahren der Glaubensgemeinschaft bei. 1943 wurde er zur Wehrmacht einberufen und in der Simeonskaserne zum Pionier ausgebildet. Da er zunächst den Fahneneid verweigerte, kam er ins damalige Militärgefängnis, das in der Nähe der Alten Hausberger Torstraße stand und im Volksmund "Vater Phillip" genannt wurde. 1944 verurteilte ihn ein Feldgericht wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode - er hatte sich beim Einsatz an der Ostfront geweigert, während eines feindlichen Angriffs ein Gewehr in die Hand zu nehmen. Gegenüber den Militärrichtern erklärte Kurlbaum später, dass er sich mit erhobenen Händen ergeben hätte und bereit sei, für seinen Glauben zu sterben. Am 15. Mai 1944 wurde die Todesstrafe vollstreckt.

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Zum vollständigen Artikel:
http://www.mt-online.de/minden/t00123019.htm

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24.01.2003

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Weitere Informationen auf der Unterseite “Dokumente zu Heinrich Kurlbaum”:
Todesurteil wegen Wehrkraftzersetzung / Abschiedsbrief an die Familie
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Kurlbaumdokumente

 


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